5. Weltsportspiele Kleinwüchsiger Menschen in Belfast, Irland vom 26. Juli bis zum 02. August 2009 Nachdem ich hin und wieder von den Weltsportspielen kleinwüchsiger Menschen gehört hatte, habe ich mich in diesem Jahr entschlossen die Reise nach Nordirland anzutreten. Irgendwann muss man ja mal mit dem Wettkampfsport anfangen. Als mir bewusst wurde für was ich mich entschieden hatte, wollte ich die Zusage fast wieder zurück ziehen. Doch dann hat mich mit 55 Jahren doch der sportliche Ehrgeiz gepackt und ich habe mich nach einem Trainingsort und Trainer erkundigt. Diesen fand ich in Manfred Conrad vom BSV 1892 im Wilmersdorfer Stadion in meiner Heimatstadt Berlin. Hier trainierte ich seit April die Kurzstrecken, die ich auch in Belfast laufen wollte. Außerdem hatte ich mich für Boccia, Basketball und Fußball angemeldet.
Die diesjährigen Spiele vom 26. Juli bis 2. August in der nordirischen Hauptstadt Belfast waren bereits die Fünften. Dieses bedeutende Sportereignis findet jeweils ein Jahr nach den Olympischen bzw. Paralympischen Sommerspielen statt. Die bisherigen Austragungsorte waren 1993 (Chigago/USA), 1997 (Peterborough/ Großbritannien), 2001 (Toronto/Kanada) und 2005 (Rambouillet/Frankreich). Teilnehmen können Menschen bis zu einer Körpergröße von 1,45 m in folgenden Sportarten: Leichtathletik (Kurzstrecken und Wurfdisziplinen), Schwimmen, Tischtennis, Federball, Basketball, Fußball, Powerlifting und Boccia.
Gut vorbereitet traten wir am 25. Juli den Flug nach Belfast an. Da meine Frau, die mich begleitete, schwer gehbehindert ist, hatten wir uns rechtzeitig bei der Fluggesellschaft als behinderte Fluggäste angemeldet und unsere Bedürfnisse abgestimmt. Es klappte alles wunderbar.
Der nordirische Kleinwuchssportverband (DAANI) als Veranstalter konnte mehr als 200 Sportler aus 15 Ländern begrüßen (Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Iran, Irland, Italien, Nordirland, Polen, Serbien, Slowakei, Sri Lanka, Türkei, USA). Aus Deutschland nahmen 10 Athleten zwischen 15 und 55 Jahren teil, die in der Leichtathletik, im Schwimmen, Tischtennis, Federball und Basketball antraten.
Die Unterbringung erfolgte in einem Hotel in der Belfaster Innenstadt. Die Sportstätten waren jeweils außerhalb bzw. am Stadtrand von Belfast gelegen. Der Transport dorthin erfolgte mit Bussen. Gleich am Tag nach Eröffnung der Spiele durch Vertreter der nordirischen Regierung, der Stadt Belfast, der Ulster Universität und verschiedener Behindertensportverbände, begannen am nächsten Tag die leichtathletischen Disziplinen. Bei wechselnder Bewölkung, kühlen Temperaturen und Regenschauern marschierten die Sportler hinter ihren jeweiligen Fahnenträgern in das Mary-Peters-Stadion ein. Es erfolgte die Vereidigung und dann begannen die Wettkämpfe. Ich startete in der Klasse der Master (Altersgruppe ab 40 Jahre). Hier war das Teilnehmerfeld zum Glück übersichtlich, so dass keine Vorläufe erforderlich waren. Im Abstand von jeweils zwei Stunden musste ich meine Läufe absolvieren. Auch das klappte ganz gut, obwohl ich ziemlich aufgeregt war und die Startzeiten sich ständig nach hinten verschoben. Das Ergebnis waren am Ende drei Medaillen (60 und 200 m Silber, 100 m Bronze). Ich war froh, das meine Starts so erfolgreich waren aber auch als alles vorbei war. Da die Wurfdisziplinen am gleichen Tag und zur gleichen Zeit stattfanden war der organisatorische Aufwand ziemlich groß und alle Helfer, Kampfrichter und Sportler am Abend geschafft.
An den folgenden Tagen wurden die Wettkämpfe in den anderen Sportarten ausgetragen. Hier hielten sich meine persönlichen Erfolge in Grenzen. Im Fußball wurde das Spiel um die Bronzemedaille gegen Irland mit 2 : 3 knapp verloren und im Boccia schied ich im Viertelfinale aus. Im Basketball hatte ich meine Teilnahme zurückgezogen, da Deutschland hier allein leider keine Mannschaft bilden konnte und sich mit einigen US-Spielern verstärken musste, so dass genügend Leute mit mehr Erfahrung, als ich sie hatte, zur Verfügung standen. Diese Mannschaft gewann dann auch völlig überraschend, nach hartem Kampf, die Bronzemedaille gegen Großbritannien. Gold holten hier die USA knapp und ebenfalls überraschend gegen das favorisierte australische Team. Übrigens wer dachte, dass die Basketballkörbe für Kleinwüchsige auf einer Höhe von 1,50 m oder so hängen, war verblüfft als er sah, dass sie in der gleichen Höhe wie für Dirk Nowitzki und Co. blieben. Eine weitere Mannschaftsmedaille wurde noch von einer internationalen Fußballmannschaft mit einer deutschen Spielerin errungen. Insgesamt gewann die deutsche Mannschaft 24 Medaillen (6 x Gold, 15 x Silber, 3 x Bronze). Besonders möchte ich noch den vielseitigsten und einen der erfolgreichsten deutschen Teilnehmer erwähnen. Es ist Philipp Buttmann. Philipp ist 15 Jahre alt und gewann sieben Medaillen (1 x Gold, 5 x Silber und 1 x Bronze). Besonders hervorzuheben ist seine Leistung über 25 m Freistil im Schwimmen. Hier erkämpfte er den Sieg mit der absolut besten Zeit aller Teilnehmer. Außer im Schwimmen war er im Badminton, Sprint und mit der deutschen Basketballmannschaft erfolgreich.
Leider hält sich die Anzahl der Bewerber für die nächsten Spiele stark in Grenzen. Man muss sich vorstellen, dass die Wettbewerbe in Belfast, die sich immerhin über 8 Tage mit 200 aktiven Teilnehmern erstreckten ausschließlich von Mitgliedern und Förderern des nordirischen Kleinwuchsverbandes in ihrer Freizeit organisiert und durchgeführt wurden. Ebenso ist der finanzielle Aufwand für den Veranstalter nicht unerheblich (Transport, Verpflegung, Mieten für Sportstätten usw.). Die Kosten für die Teilnahme hat zumindest aus Deutschland jeder Teilnehmer selbst getragen. Man würde es zwar gern sehen, dass Deutschland irgendwann die Spiele organisiert. Aber das ist zurzeit illusorisch. In der Bundessportgemeinschaft Kleinwüchsige Menschen (BSGKM) sind 35 Mitglieder organisiert, die damit völlig überfordert wären, so dass die nächsten Spiele, wenn überhaupt, voraussichtlich in den USA stattfinden.
Nun noch ein paar allgemeine Bemerkungen zum Sport für Kleinwüchsige in Deutschland. Im Prinzip treibt jeder für sich organisiert oder auch nicht Sport, da ein gemeinsames Training durch die weiten Entfernungen kaum möglich ist. Wir versuchen uns aber drei Mal im Jahr an der Deutschen Sporthochschule in Köln zu treffen. Hier werden dann allgemeine Übungen und Spiele zur Stärkung der Muskulatur, der Koordination und Ausdauer unter Anleitung eines Trainers für Rehasport durchgeführt. Dabei kann jeder Kleinwüchsige Mensch mitmachen, unabhängig von körperlichen Einschränkungen und sportlichen Erfahrungen.
Mein nächster sportlicher Termin werden voraussichtlich die Deutschen Hallenmeisterschaften der behinderten Leichtathleten in Halle/Saale am 6./7. März 2010 sein. Darauf bereite ich mich jetzt beim Allgemeinen Sportverein in Berlin vor, obwohl es sehr schwierig ist, bei einem Vollzeitjob plus drei Stunden für die Hin- und Rückfahrt, das Training zu integrieren.
Lutz Dürichen 
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